Durch die Gassen von Genua
Acht Kilometer zu Fuß durch die Stadt von Niccolò Paganini und Christoph Kolumbus
Zweiter Hafen der Reise – acht Kilometer zu Fuß durch einer der größten erhaltenden Altstadt Europas.
Buongiorno aus Genua. Die MSC World Europa liegt heute in ihrem Heimathafen, und Genua ist eine Stadt, die man auf den ersten Blick unterschätzt: 900 Jahre Seerepublik, eine der größten erhaltenen Altstädte Europas und eine Lage, die es in Italien kein zweites Mal gibt. Hier ein paar Informationen zur Stadt.
| Info | Wert |
|---|---|
| Ort | Genua (Genova) |
| Land | Italien |
| Flagge | 🇮🇹 |
| Koordinaten | 44.4056° N, 8.9463° E |
| Einwohner | ca. 560.000 (Stadt), ca. 810.000 (Metropolitanstadt) |
| Temperatur Luft | ca. 30 °C |
| Temperatur Wasser | ca. 24 °C |
| Region | Ligurien (Hauptstadt der Region) |
| Zeitzone | MESZ (UTC+2) |
| Lage | Ligurisches Meer, Golf von Genua |
| Anleger | Stazione Marittima, Ponte dei Mille |
| Bekannt für | Palazzi dei Rolli (UNESCO), Caruggi, Pesto, Focaccia |
Einfahrt vor der Bergwand
Genua ist unter den italienischen Hafenstädten ein Sonderfall. Es gibt kein flaches Hinterland. Die Stadt entstand vor der hügeligen Landschaft.

Porto Antico
Von Bord ging es kurz nach acht. Der Weg vom Terminal in die Stadt ist kurz – kein Shuttle, kein Industriehafen, der einen aussperrt. Nach ein paar Minuten steht man im Porto Antico. Auf dem Weg habe ich ein U-Boot entdeckt, das zum Schifffahrtsmuseum (Galata Museo del Mare) gehört.

Dann kam noch ein Schiff, das für einen Piratenfilm von Roman Polanski gebaut wurde. Die Neptun ist der Nachbau einer spanischen Galeone aus dem 17. Jahrhundert

Und das Schiff wurde später auch für eine Captain Hook Serie weiterverwendet.

Renzo Piano, in Genua geboren, hat den alten Hafen 1992 zum 500. Jahrestag der Kolumbus-Fahrt umgebaut. Herausgekommen ist das städtische Wohnzimmer: eine gläserne Biosphäre am Wasser und der Bigo, ein ehemaliger Hafenkran, der heute Besucher vierzig Meter in die Höhe hebt und dessen Dachkonstruktion aus Stahlseilen und Masten wie eine Skulptur über der Promenade steht.

Hier starten um 9 Uhr auch einige Ausflugsboote zum Whale Watching.
Sottoripa und der Palazzo San Giorgio
Ein paar Schritte weiter beginnen die Sottoripa-Arkaden an der Piazza Caricamento. Ein Laubengang aus dem 13. Jahrhundert, rund 120 Meter Tunnelperspektive, dunkle Decke, glänzendes Pflaster, am Ende ein heller Lichtpunkt.

Um 9 Uhr war ich dort alleine, nachmittags ist hier mehr los.
Direkt daneben steht der Palazzo San Giorgio mit seiner bemalten Fassade. Hier saß ab 1407 die Banco di San Giorgio, oft als erste staatliche Bank der Welt bezeichnet. Und die Überlieferung will, dass Marco Polo in diesem Gebäude – damals Gefängnis – seine Reiseberichte diktierte.

Solche Geschichten erzählt mir meine virtuelle Reisebegleiterin Mia. Ich glaub ihren spannenden Geschichten meistens.
San Lorenzo von außen
Am Sonntagvormittag laufen im Dom die Messen, an Innenbesichtigung war also nicht zu denken. Es hat auch jemand am Eingang aufgepasst, das dort nicht ein Tourist, die Messe stört.

Zwei steinerne Löwen bewachen das Mittelportal.

Die Kathedrale San Lorenzo ist außen aus schwarz-weiß gestreiftem Marmor und hat gotische Portale. Nachmittags konnte ich die Kathedrale betreten.

Chiesa del Gesù
Zwei Minuten weiter, an der Piazza Matteotti, steht die Chiesa del Gesù. Von außen unauffällig, innen der prächtigste Barockraum der Stadt – und trotzdem geht kaum jemand hinein. Der Eintritt ist frei.

Piazza De Ferrari
Vom Mittelalter ins 20. Jahrhundert sind es in Genua hundert Meter. Die Piazza De Ferrari ist das repräsentative Herz der modernen Stadt: ein runder Platz, ringsum Jugendstil- und Beaux-Arts-Fassaden, der Palazzo della Borsa von 1912 und das Opernhaus Teatro Carlo Felice. In der Mitte der große Bronzebrunnen.

Via Garibaldi – die Palaststraße
Wenn Genua einen Ort hat, an dem man verstehen kann, wie reich diese Stadt einmal war, dann ist es diese Straße.
Die Via Garibaldi ist 250 Meter lang und besteht praktisch ausschließlich aus Palästen des 16. Jahrhunderts. Seit 2006 sind sie als Palazzi dei Rolli UNESCO-Welterbe. Der Hintergrund ist ungewöhnlich: Genua hatte keinen Herrscherpalast, in dem man Staatsgäste unterbringen konnte. Also führte die Republik Listen – die rolli – mit privaten Adelspalästen, und wer als Gast in die Stadt kam, wurde per Los einem dieser Häuser zugeteilt. Je hochrangiger der Besuch, desto prächtiger der Palast.

Der Trick beim Durchgehen: langsam laufen und in jeden offenen Torbogen schauen. Von der Straße aus sieht man nur Fassaden. Dahinter liegen Innenhöfe mit Freitreppen, Loggien und hängenden Gärten – eine Abfolge von eng nach weit, die man nicht erwartet.
Hinter einer dieser Fassaden, im Palazzo Doria-Tursi, liegt außerdem das berühmteste Musikinstrument der Stadt. Dazu gleich mehr.

Paganini und Genua
Jetzt ein kurzer Abstecher zur ersten großen Persönlichkeit aus Genua. Niccolò Paganini wurde 1782 in Genua geboren, in einer engen Gasse der Altstadt. Zu Lebzeiten war er das, was man heute einen Weltstar nennen würde – der „Teufelsgeiger", von dem das Gerücht ging, er habe seine Technik nicht ganz mit rechten Dingen erworben.
Sein Instrument hieß „Il Cannone", die Kanone, wegen seines gewaltigen Tons. Gebaut hat es 1743 Bartolomeo Guarneri, genannt „del Gesù", in Cremona. In seinem Testament von 1837 bestimmte Paganini, dass die Geige seiner Heimatstadt zufallen und dort auf Dauer bewahrt werden soll.
Genau das ist passiert. Seit 1851 liegt „Il Cannone" im Palazzo Doria-Tursi an der Via Garibaldi, also in einem der Rolli-Paläste, den ich mir angeschaut habe.

Ein Restaurator und ein Geiger kümmern sich bis heute um den Zustand des Instruments – es wird regelmäßig gespielt, damit es nicht verstummt. Und wer den Internationalen Violinwettbewerb Premio Paganini gewinnt, darf einmal darauf spielen. Das ist vermutlich die schönste Trophäe, die ein Musikwettbewerb zu vergeben hat.
Mit dem Aufzug nach oben
Genua ist steil, und die Genueser haben daraus ein Verkehrssystem gemacht: öffentliche Aufzüge und Standseilbahnen, die als normaler Nahverkehr gelten.
Der Ascensore Castelletto ist von 1909, innen Art déco, und braucht dreißig Sekunden für sechzig Höhenmeter.

Spianata Castelletto – das Bild des Tages
Oben liegt einem die Stadt zu Füßen, und zwar buchstäblich.

Die Spianata Castelletto ist eine Terrasse auf rund 130 Metern Höhe. Von hier sieht man das gesamte historische Zentrum – das dichteste vorindustrielle Stadtgefüge Europas – als geschlossene Dachlandschaft bis hinunter zum Hafen. Dazwischen die Kirchtürme, dahinter die Kräne, und weiß und unübersehbar das eigene Schiff.

Abstieg und Caruggi
Hinunter ging es zu Fuß über die Treppengassen der Salita San Nicolò, etwa eine Viertelstunde.
Unten beginnt dann der Teil, für den man nach Genua fährt: die Caruggi. Das mittelalterliche Gassengewirr ist UNESCO-Welterbe und gleichzeitig ein ganz normal bewohntes Viertel. Manche Gassen sind kaum breiter als ein Meter, die Balkone auf beiden Seiten kommen sich fast in die Quere, dazwischen hängt Wäsche.
Santa Maria delle Vigne und Piazza Banchi
Santa Maria delle Vigne ist Genuas älteste Kirche. Außen ein romanischer Backstein-Campanile aus dem 11. Jahrhundert, nüchtern und schwer. Innen ein vollständig vergoldeter Barockraum. Der Sprung zwischen beidem ist absurd, und fast niemand steht drin.

Nebenan die Piazza Banchi, früher der Platz der Geldwechsler. Eine schlichte Loggia im Gassengewirr, ein Ort zum Durchatmen.
Porta Soprana und das Haus des Kolumbus
Die Porta Soprana von 1155 ist das einzige erhaltene mittelalterliche Stadttor Genuas: zwei mächtige Rundtürme, dazwischen der Torbogen, außen dicht mit Efeu bewachsen. Man läuft einfach hindurch, und für einen Moment ist die moderne Stadt weg.

Direkt daneben steht ein kleines Haus mit Efeu und Weinlaub davor. Es gilt als Elternhaus des Christoph Kolumbus. Das Haus wurde übrigens zerstört und wurde wieder neu aufgebaut.

Kolumbus und Genua
Kolumbus wurde 1451 in Genua geboren, als Sohn des Wollwebers Domenico Colombo. Nach den Archivunterlagen wohnte die Familie zwischen etwa 1455 und 1470 in diesem Haus vor der Porta Soprana – Kolumbus war da vier Jahre alt, als sie einzogen. Im Erdgeschoss die Werkstatt des Vaters, oben zwei kleine Kammern. Kein Herkunftshaus für einen Weltentdecker, sondern die Wohnung einer Handwerkerfamilie.
Focaccia und Gelato
Ich habe auch mal eine Focaccia genovese probiert: dünn, salzig und mit Olivenöl. Ein Stück direkt aus der Focacceria, 4,75 Euro.

Danach ein Eis aus einer der Gelaterien in den Gassen, zwei Kugeln für 4,50 Euro. Cocco und Tiramisu habe ich ausgewählt.

Die Route im Überblick
| Info | Wert |
|---|---|
| Ablauf | Komplett zu Fuß, ca. 8 km, ein Aufzug als einziges Verkehrsmittel |
| Zu Fuß | Porto Antico, Sottoripa, San Lorenzo, Gesù, De Ferrari, Via Garibaldi |
| Nach oben | Ascensore Castelletto, 60 Höhenmeter in 30 Sekunden |
| Höhepunkte | Spianata Castelletto, Innenhöfe der Rolli-Paläste, die Granate im Dom |
| Schatten | in den Caruggi durchgehend, auf den Plätzen kaum |
| Wichtig | San Lorenzo sonntags erst nach der Mittagsmesse zugänglich |
| Zeitdruck | All Aboard 15:30 Uhr – die kürzeste Liegezeit der Reise |
Die Kosten
| Posten | Preis |
|---|---|
| Focaccia genovese | 4,75 € |
| Gelato, zwei Kugeln | 4,50 € |
| Ascensore Castelleto | 2,00 € |
| Summe | 11,25 € |
Der günstigste Hafentag der Reise. Porto Antico, Sottoripa, San Lorenzo, Chiesa del Gesù, Via Garibaldi, Piazza San Matteo, Santa Maria delle Vigne, Porta Soprana und die Spianata Castelletto kosten alle keinen Eintritt. Der Ascensore Castelletto schlägt mit 2 Euro zu Buche, kontaktlos zu bezahlen.
Abendessen
Abendessen um 19:30 Uhr im Hauptrestaurant, feste Tischzeit.
Vorspeise
Mariniertes pochiertes Barschfilet, rote Zwiebeln, Zitrone, Koriander, Paprika-Coulis
Hauptgericht
Gegrillte Goldmakrele, Fenchel-Gurken-Salat, Mango-Sauce, Orangen-Reis-Pilaw
Dessert
Sachertorte – österreichischer Schokoladenkuchen mit Aprikosenfüllung
Abendshow
EKO - Recycled Rock Show
